M Y T H O S     und     S Y M B O L


Aus dem Klassischen Altertum

Die Bezeichnung für die Gemeine Sonnenblume "Helianthus annuus" leitet sich von den griechischen Wörtern "helios" und "anthos" ab. "helios" bedeutet Sonne und "anthos" Blume, "annuus" ist das lateinische Attribut für einjährig.

In der griechischen Mythologie war Helios [griech. Ήλιος] der Sonnengott. Seinem Sohn Phaeton war das Schicksal nicht hold, er verunglückte [von den Göttern bestimmt] bei dem Versuch, den Sonnenwagen seines Vaters zu lenken. Phaetons übermütige Fahrt mit dem flammenumkränzten Sonnenwagen hinterließ verbrannte Städte und Völker, die Fahrt sei von Zeus mit einem Blitzschlag gestoppt worden. Phaetons Fahrt riss angeblich ein Loch in den Himmel, aus dem die Milchstraße entstand. Phaeton stürzte letztendlich in den Fluss Eridanos am Ende der Welt. Phaetons Schwestern, die Heliaden, weinten um ihn. Hatten sie ihm doch geholfen, den Sonnenwagen anzuspannen, wurden sie als Strafe oder Mitleid zu Pappeln am Flussufer verwandelt. Ihre Tränen tropfen angeblich noch heute als Harz von den Pappeln herab.

›››  Innovationen aus Pflanzen - Knospenharz der Balsampappel
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Klythia und die Metamorphosen des Ovid

Die Nymphe Klythia [eine der 3000 Töchter des Okeanos (griech. Ωκεανός, Ozean)] verriet aus Eifersucht die geheime Liebschaft von Helios, dem Sonnengott und Leukothoe, der Tochter eines Perserkönigs. Aus Kummer und Schmerz, weil sie trotz des Verrats Helios nicht für sich zurückgewinnen konnte, verwandelte sich Klythia in eine Sonnenblume. Seither wendet sie ihren Blütenkopf stets ihrer großen Liebe, der Sonne zu.

Publius Ovidius Naso erzählt die Geschichte der Klythia in seinen "Metamorphosen" [Buch IV, 256-273].
Finden Sie die lateinischen Verse und eine schöne Kunstsammlung dazu unter:

›››  www.latein-pagina.de

Helianthus annuus, die Sonnenblume wie wir sie bezeichnen, war in der Antike allerdings unbekannt. Ovid schreibt eigentlich von der Verwandlung in eine violenähnlichen Blume, die ausgeprägten Heliotropismus zeigt, also ihre Blüten und Blätter mit der Sonne dreht. In Übersetzungen wurde daraus die Sonnenblume.


religiöses Symbol

Die meisten Kulturen seit dem Altertum, wie Babylonier, Ägypter, Griechen oder Römer verehrten männliche Sonnengötter, nur wenige, wie z.B. die Hethiter, die Inuit oder der japanische Shintu-Glaube, kennen Sonnengöttinen. Auch bei den Azteken, Mayas und Inkas war das Sonnensymbol ein göttliches und oft dargestelltes. Im Christentum gilt die Sonnenblume als ein Symbol der Lebenskraft. Christus wird mit der Sonne verglichen, die aufgehende und strahlende Sonne steht für Ostern und Auferstehung. Auch im Buddhismus und im Islam symbolisiert das Sonnenlicht Göttliches und Schöpferkraft.


politisches Symbol

Nicht nur Götter, auch weltliche Herrscher beanspruchten sehr oft im Laufe der Geschichte das Sonnensymbol für sich. In der säkularisierten Symbolik wurde die Sonnenblume als Zeichen der Ergebenheit und Treue des Volkes gegenüber der Herrschaft verwendet und findet sich in Wappen und Siegeln.
Ein aktuelles "politisches" Beispiel ist das Logo der Deutschen Partei "Bündnis90 / Die Grünen".
Auch Münzen und Banknoten zeigen die Sonnenblume. Ludwig XIV, der Sonnenkönig, ließ am Zenit seiner Macht  ›››  Münzen  mit Sonne und Sonnenblume prägen.


Flaggen und Wappen

Ein Sonnenblumensymbol findet sich z.B. auf den Flaggen der Provinz Buenos Aires [Argeninien], der Stadt Leavenworth [Kansas,US], von Zarecnyi [RU], im Wappen von Löbichau [D], Leupegem [BE], Gemeinde Ebergassing [A] oder  ›››  Tulbing [A].


moderne Marken

Das schwarze Pferd im Emblem der Sportwagen-Marke Ferrari leuchtet auf goldgelbem Grund, weil Enzo Ferrari angeblich eine besondere Vorliebe für Sonnenblumen hatte.
BP British Petrol verwendet seit einigen Jahren ein die Sonne symbolisierendes "Helios" Logo, um seine Initiativen im Bereich alternativer Energien deutlicher zum Ausdruck zu bringen.


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